Im Englischen heißt "ermorden" - to assassinate. Selbst Amerikanisten oder Anglisten wissen oft nicht, woher dieses Wort - häufig für politisch motivierte Morde angewandt - kommt. Als es kreiert wurde, erinnerte man sich eines uralten muslimischen Geheimbundes. So führt der Englisch sprechende Mensch noch heute die Assassinnen im Mund, ohne es zu wissen.
Der Haschisch-Konsum war in den 60-er Jahren für mehr oder minder echte Aussteiger, die den "spirituellen Weg" einschlagen wollten, fast schon ein Muss. Er sich vom "Establishment" abgrenzen wollte, der nahm Haschisch statt Bier zu sich. Überhaupt wurde Rauschgift als Teil neuer Lebensart angepriesen - und zu häufig völlig verharmlost. Inzwischen dürften die Gefahren jeglichen Rauschgifts für Leib und Leben bekannt sein. Drogen haben auch vor vielen Jahrhunderten eine zentrale Rolle bei Geheimbünden gespielt. Dabei ging es nicht darum, den Menschen die Augen für eine andere Wirklichkeit zu öffnen. Vielmehr sollten falsche, bessere Bilder vorgespiegelt werden....um Menschen dazu zu verleiten, sich Geheimbünden anzuschließen. Dort ging es dann - etwa bei den muslimischen Geheimbünden - um irdische Belange, nicht um Geistiges. Irdisches Blut wurde vergossen....Schon vor Jahrhunderten wurden miese Tricks angewandt, ärmlich lebenden Menschen bessere Wirklichkeiten versprochen, um sie auf der höchst realen Ebene der Wirklichkeit zu manipulieren und zu verführen.
Spirituelle Sehnsüchte der Menschen wurden missbraucht, um Menschen zu manipulieren. Geistiges Gedankengut wurde mit ganz konkreten Absichten alles andere als spirituellen Zielen untergeordnet. Aus diesem Sachverhalt darf aber kein falscher Schluss gezogen werden. Durch Missbrauch von Gedanken werden diese Gedanken keineswegs schlecht. Denken wir an die Kreuzzüge und so viele andere blutigen Kapitel der Kirchengeschichte des Christentums. Die christliche Lehre wurde sehr häufig dazu missbraucht, um machtpolitische Ziele zu verfolgen. Niemand wird ernsthaft deshalb das Christentum als etwa unmoralisch verdammen.
Anno 1118 veranlasste der Großmeister des Templerordens Balduin II., König von Jerusalem, einen Geheimvertrag mit dem Großmeister der Assassinen zu schließen. Den christlichen Kreuzfahrern wurde die Stadt Damaskus überlassen.
Die Assassinen, eine Gruppe persischer Ismailiten, gehörten zu den großen mohammedanischen Geheimgesellschaften. Ihr Name geht auf das arabische hashishin zurück, was so viel wie Haschischesser bedeutet. Tatsächlich gehörte der Konsum von Haschisch zum Kult der Assassinen, sie schätzten es aber nicht, wenn sie Assassinen genannt wurden. Man möge sie doch "Ismailine aus Alamaut" nennen.
Bei den Ismailiten handelte es sich um eine islamisch-schiitische Sekte. Einem geheimem Ritual folgend durchlief ein Anhänger dieser Gruppe neun Stufen. 762 starb ihr großer Vordenker Mam Ismail. Seine Anhänger glaubten freilich nicht an seinen Tod und erwarteten seine Rückkehr als "Mahdi", als "der von Gott Gesandte". Er werde dann die ursprüngliche göttliche Ordnung wieder herstellen. Im Mittelalter tauchten zwei Männer auf, die von sich behaupteten, eben jener Mahdi zu sein: Ibn Tumart und Mohammed Sajid.
Begründet wurde die Bewegung von Hasan-i-Sabbah aus der persischen Provinz Khorassan. Er besuchte die theologische Schule von Mischapur, wo er häufig mit Omar Khayam, einem Dichter und Poeten, diskutierte. Omar Khayam wurde später ein Anhänger eines weiteren islamischen Geheimbundes, des Sufi-Ordens.
Hasan-i-Sabah eroberte 1090 die Festung Alamut in den Bergen des nördlichen Iran. Fortan nannte er sich Scheich al Dschebel, der "Alte vom Berge". Der Name könnte zu Missverständnissen führen. So sehr sich der Scheich auch für religiös-mystische und theologische Fragen interessierte, so war er doch keineswegs ein weltfremder Heiliger. Machtpolitik lag ihm sehr am Herzen. Und da er über enormes militärstrategisches Geschick verfügte, war er auch als Feldherr enorm erfolgreich. Er eroberte Städte und Festungen, drang bis in die Gefilde Syriens vor. In Persien selbst legte er zahlreiche Stützpunkte an. Auf seine Untergebenen konnte er sich blind verlassen. Sie waren ihm absolut ergeben, bereit dazu, selbst unsinnigste Befehle ohne Rücksichtnahme auf das eigene Leben zunehmen auszuführen.
Religiöse Offenbarungen wurden gezielt angestrebt, wobei man Haschisch oder indischen Hanf konsumierte. Der Alte vom Berge - Jahrhunderte später von den Beatles als "Fool on the Hill" besungen - versprach seinen Anhängern den problemlosen Eintritt ins Paradies. Um ihnen schon einen Vorgeschmack auf jenen Hort der Glückseligkeit bieten zu können, ließ er unweit von Alamut einen herrlichen Garten anlegen. Dorthin wurden die Kandidaten, die in den Geheimbund der Assassinen aufgenommen werden sollten, geführt. Ob sie freilich wirklich einen irdischen Garten Eden erlebten, erscheint fraglich. Vor Betreten des "Paradieses" wurden die jungen Männer in einen Haschischrausch versetzt. Im Garten selbst wurden weiter Drogen konsumiert. Es liegt also die Vermutung nahe, dass die angeblich gebotene Herrlichkeit nicht wirklich erlebt, sondern nur fantasiert wurde. Oder gab es diesen Garten doch?
Ein prominenter Zeuge behauptet das: Als der legendäre Marco Polo gegen Ende des 13. Jahrhunderts aus China zurückkehrte, berichtete er auch über Begegnungen mit Asassinen in Persien. Zwischen "zwei Bergen" habe er einen "wunderschönen Garten" gesehen. Er sei nur den Mitgliedern des Geheimbundes bekannt gewesen. Eine mächtige Burg am Eingang habe verhindert, dass Reisende zufällig in die herrlichen Anlagen hätten eindringen können. Er sei dem Paradies, so wie es Mohammed beschrieben habe, nachempfunden gewesen.
Marco Polos Bericht erinnert stark an eine Art Schlaraffenland: "Darin befanden sich alle Früchte und die schönsten Paläste der Welt. Es gab auch Kanäle. Aus einem strömte Wasser, aus einem anderen Honig, aus einem anderen Wein. Dort waren die reizvollsten Frauen der Welt. Sie sangen, spielten auf ihren Instrumenten und tanzten wie sonst keine." Zurück auf dem Berg hieß es, sie hätten jene schöne Welt gesehen, in die sie nach dem Tode eintreten dürften - wenn sie zu Lebzeiten Scheich al Deschebel gehorsam ergeben wären. So gelang es dem Walten vom Berg", bis zu 40 000 Anhänger um sich zu scharen.
Absoluter Gehorsam war Bedingung, wollte man, einmal in den Geheimbund aufgenommen, nicht wieder verstoßen werden. Der Scheich erteilte häufig Mordaufträge, die von seinen Anhängern bedenkenlos ausgeführt wurden. Sie benutzten dabei einen Dolch und es galt als besondere Ehre, bei Erledigung grausiger Aufträge selbst ums Leben zu kommen. Der Eingang ins himmlische Paradies sollte dann als Belohnung winken.
In der englischen Sprache wurde der Name der Assassinen zum Wort mit dunkler Bedeutung: to assassinate heißt ermorden. Der politische Meuchelmörder wird auch heute noch als assassinator bezeichnet.
1124 starb der Scheich im Alter von 90 Jahren. Mit seinem Tode bahnte sich auch schon das Ende der Assassinen als mächtige Geheimgesellschaft an. Streitigkeiten um die wahre Lehre entbrannten, es entstanden Splittergruppen. Bereits anno 1166 hatten sich die persischen Assassinen wieder dem orthodoxen Islam zugewandt. Zwei Jahrhunderte später kam es zu einer mongolischen Invasion. Die neuen Herrscher bekämpften die eher unbedeutenden Nachfolger des Geheimbundes, zerschlugen die Glaubensgemeinschaften. Dennoch überlebte der Kult in abgelegenen Gebieten. Noch im 19. Jahrhundert soll es sie gegeben haben. Aus jenen späten Zeiten ist einiges über ihre religiöse Glaubenswelt überliefert. Demnach sahen sie die Schöpfung als eine "Kette mit sieben Gliedern" an. Jeder Mensch könne sich spirituell weiterentwickeln. Sieben Stufen mussten auf dem Weg zu Gott durchlaufen werden. Wissen über die Wirklichkeit von Erde, Hölle und Himmel veränderten sich, je höher der Anhänger der Gruppe in der Hierarchie aufstieg. In magischen Zeremonien wurde das auf der jeweils niedrigeren Stufe erlernte Wissen ausgelöscht und durch neues ersetzt.
Auf der höchsten Stufe schließlich wurde das Geheimnis aller Geheimnisse offenbart: Zwischen Himmel und Hölle gab es keinen Unterschied, Himmel und Hölle waren dasselbe. Das Tun und Lassen des Menschen wurde als sinnlos erachtet. Einzig und allein der absolute Gehorsam gegenüber dem religiösen Führer, der zugleich auch weltliches Oberhaupt war, war von Bedeutung.
Tanzende Derwische - Selbstaufgabe auf dem Weg zu Gott
Bei den Sufis handelte es sich um eine asketisch-mystische Richtung des Islam.
Die asketischen Anhänger dieser Gemeinschaft trugen einen grobwollenen Mantel, der als "suf" bezeichnet wurde. Er war das äußere Merkmal eines Geheimbundes und fand im Namen der Bewegung ("Sufismus") Eingang. Die Mitglieder suchten einen Weg der "Vereinigung" mit Gott. Besonders viele Anhänger fand die Gruppe in Persien, die die freizügigere, weniger strenge Auslegung des Koran bevorzugten.
Ihre Nachfolger sind auch heute, an der Schwelle zum dritten Jahrtausend, aktiv. Heute sind wir nicht mehr auf nebulöse Berichte angewiesen. Wir können auf Fotos verweisen. Da tanzt sich ein Sufi in Kairo in Trance, will so zu höheren Erkenntnissen kommen. Da überwinden Sufis durch Trance und Meditation den Schmerz. Einst geheimes Wissen wird heute gelehrt, etwa an der Schule von Tariqa Casnazaniyyah. Derlei Aufnahmen gestatten uns einen Blick in die fremdartige Welt der Sufis. Das konzentrierte Gesicht eines meditierenden Sufis etwa übt eine seltsame Faszination auf uns aus. Er scheint nur körperlich in unserer, mit dem Geist in einer ganz anderen Welt zu sein.
Die Moslems der traditionellen Schule sahen die Sufis mit Skepsis an. Ihr Gott war so erhaben, der Mensch zu unbedeutend, als dass man eine Annäherung an das höchste Wesen zu Lebzeiten hätte denken können. Andererseits aber wurden Askese und Fasten im Islam durchaus als ehrsame, lobenswerte Tugenden angesehen.
Einer der großen Lehrer des Sufismus war al-Halladsch (922 in Bagdad hingerichtet). Einer seiner Leitsätze lautete: "Ich bin jener geworden, den ich liebe. Jener, den ich liebe, ist ich geworden. Wir sind zwei Geister in ein und demselben Körper." Wie für Mohammed war für die Sufis das höchste Ziel die vollständige Selbstaufgabe. Das irdische Leben wurde als Weg zur Erleuchtung, zur Vereinigung mit Gott, angesehen. Um dieses Ziel irgendeinmal erreichen zu können, musste sich der Gläubige zunächst einmal einer spirituellen Reinigung unterziehen. Dann bekam er von seinem Meister eine spezielle Kost vorgesetzt. Während das Mahl verzehrt wurde, stimmte der spirituelle Lehrer einen religiösen Gesang an. Sodann erfolgte die Einweihung: Meditation wurde gelehrt, die irdische Hemmnisse auf dem Weg zum Göttlichen beseitigen sollte.
Erleuchtung und Ekstase wurde auch auf anderem Wege angestrebt. Das weltliche, irdische Bewusstsein sollte ausgeschaltet werden. Um das zu erreichen, wurde zum Beispiel ein rasender Tanz aufgeführt, der bis zur vollständigen körperlichen Erschöpfung führte. Dann sei alles vordergründige Denken ausgeschaltet, das Bewusstsein allein auf die geistige Welt ausgerichtet.
Meister dieser für den Europäer fremdartigen Praxis waren die "tanzenden Derwische". Als Derwische ("Arme") durften nur Menschen bezeichnet werden, die sich vollständig von jeglichem irdischen Besitz getrennt hatten
So sehr spirituelle Weisheit angestrebt wurde, so ergeben waren die Sufis ihren religiösen Anführern. Sie schuldeten ihnen absoluten Gehorsam. Jacques Bergier: "Sufianhänger lernten Sprüche auswendig, die sie immer wieder aufsagen mussten. Ihnen sollte ständig vor Augen geführt werden, dass sie nichts und der ihnen vorgesetzte Scheich alles war. Einer dieser Merksätze lautete: ‘Ich bin in den Händen meines Scheichs wie der Leichnam in den Händen eines Totenwäschers.’"
Nach Bergier lernten die Sufis durch Zuwendung zum Geistigen auf irdischer Ebene "Wunder" zu vollbringen. Sie waren, speziell im Trancezustand, angeblich zu erstaunlichsten Leistungen fähig. Bergier: "Feuer kann ihnen dann nichts mehr anhaben. Sie lecken an rot glühenden Eisenstangen oder verschlucken ohne mit der Wimper zu zucken glühende Kohle. Sie stechen sich Spieße durch Wangen und Zunge, wobei kein Tropfen Blut fließ. Sie sind plötzlich dazu in der Lage, übermenschliche Kraftakte zu leisten. So stemmen sie scheinbar mühelos riesige Steinbrocken, verbiegen Eisen oder zerreißen eiserne Ketten. Die Abwendung vom Irdischen stärkt den Geist. Und der Geist ist dann dazu in der Lage, den Körper unglaubliche Leistungen vollbringen zu lassen."
Das eigentliche "Heilige
Wissen" wurde strikt geheim gehalten. Nie wurde es Außenstehenden
offenbart. Die verschiedenen Bruderschaften der Sufis verfügten alle
über bestimmte Geheimwörter. Sie wurden zu Beginn jedes Gesprächs
genannt. Dann zitierte man Koranverse, wobei aber bestimmte Worte in einer
ganz besonderen Betonung gesprochen wurden, die wiederum nur den Eingeweihten
bekannt waren.
So ist wenig über
die echte Glaubenswelt der Sufis bekannt. Sie waren von der Wirksamkeit
magischer Praktiken überzeugt, wobei unsichtbare Geistwesen um Hilfe
gebeten wurden. Gefürchtet war "sih’r", die schwarze Magie, deren
Anhänger Totenköpfe, Mumien- oder Totenhände als Hilfsmittel
benutzten.
Der Geheimbund der Drusen
Relativ schwer einzuordnen sind die Drusen. Ihre Bewegung geht auf Mohammed ibn Ismail Daraze (gestorben etwa 1020) zurück, der in Syrien lehrte. Noch heute gibt es hier, besonders im Hauran oder Djebel ed Durus, aber auch in Israel, in Jordanien, im Irak und im Libanon Anhänger, die auf einen künftigen Lehrmeister warten. Religiöses Zentrum ist Sueida in Syrien, eine alte malerische Festung mit mittelalterlich anmutenden engen Gassen. Sie widersetzen sich stets fremden Einflüssen. Nach dem Ersten Weltkrieg bekämpften sie oft mit brachialer Gewalt die französischen "Besatzungstruppen", deren Autorität sie auf keinen Fall anerkennen wollten.
Nach Überzeugung der Drusen offenbarte sich Gott im Lauf der Weltgeschichte durch insgesamt zehn Propheten. Der letzte sei Hakim in Ägypten gewesen (996-1020), der als fanatischer Eiferer Christen wie Juden verfolgen ließ. 1017 erschien am ägyptischen Hof ein gewisser Darasi. Er wurde engster Vertrauter Hakims. Mit religiösem Eifer verkündete er, Hakim sei von göttlichem Wesen. Das löste helle Empörung unter der Bevölkerung auf, die Darasi fast zu Tode gesteinigt hätte. Hakim schickte ihn daraufhin als Missionar nach Hermon. Sein Nachfolger wurde ein weiterer Perser: Hamsi. Ihm gelang es tatsächlich, dass sein Gebieter als "göttliches Wesen" anerkannt wurde. Diese Erhebung in den ägyptischen Olymp wurde mit dem Tode al-Hakims freilich wieder zurückgenommen.
Das heilige Buch der Drusen Kitab el-Hikmet, auch Buch der Weisheit genannt, soll al-Hakim von Gott selbst diktiert worden sein. Es war zunächst nur Eingeweihten zugänglich, wurde erst im 17. Jahrhundert durch einen christlichen Gelehrten aus Syrien in Europa bekannt.
Der Religionswissenschaftler Alfred Blum-Ernst konstatierte 1929 in seinem "Handbuch der Religionsgeschichte" (Stuttgart 1929, S. 629): "Sie (die Drusen) halten ihre Religion sehr geheim und zerfallen in Eingeweihte und Nichteingeweihte. Die Eingeweihten kommen jeden Donnerstagabend zusammen, um miteinander in ihren heiligen Schriften zu lesen und über Politik und sonstige Vorkommnisse zu reden, in schmucklosen Gebäuden auf den höchsten Hügeln, abseits von den Wohnstätten der Menschen." Jacques Bergier: "Trotz aller für religiöse Geheimbünde typische Maßnahmen, nichts über die innersten Überzeugungen nach außen dringen zu lassen wurde manches Detail bekannt. Sie verfassten umfangreiches Schrifttum über Zahlenmystik. Die Schöpfung sei nach einem übergeordneten Plan erfolgt, den man zu erforschen trachtete. Zahlen galten als magisch. Der Tod wurde keineswegs als Ende allen Seins angesehen. Vielmehr war man davon überzeugt, dass es den Menschen gestattet sei, immer wieder auf die Erde zurückzukehren. Was ein Mensch in einem Leben nicht geschafft hatte, nämlich wirkliche Erkenntnis über die geheimsten Dinge zu erlangen, sollte ihm in einem späteren Leben möglich sein. Gott gestattete den Menschen also den Weg zum Wissen. Und wenn sie zu dumm waren, um ihn zu erkennen, dann mussten oder durften sie immer wieder neu geboren werden, um spirituell weiterzukommen."
Drusischen Ursprungs ist die syrischen Sekte der Alauiten und der Nossairier, die im 18. Jahrhundert zahlreiche Anhänger fand. Auch die Anhänger dieses geheimen Bundes glaubten an Wiedergeburt. Freilich sollten hauptsächlich Verräter geheimen Wissens dadurch bestraft werden, dass sie nach dem Tode in Gestalt von Tieren oder gar von Furcht einflößenden Monstern zur Erde zurückkehren mussten. Geheime Messen wurden zelebriert, die nach strengen rituellen Vorschriften abgehalten wurden. Im Zentrum stand ein "liturgischer Ritus".
Die strenge Abgrenzung
von der Außenwelt brachte die Alauiten oder Nossarier in schlimmsten
Verdacht. Man unterstellte ihnen perverses sexuelle Exzesse, die angeblich
bei nächtlichen Zusammenkünften gefeiert wurden. Derlei Gerüchte
wurden von Gegnern in Umlauf gebracht und dürften nichts anderes als
böswillige üble Nachrede sein, die jeder Grundlage entbehrt.
Professor Dr. Georg Fohrer: "Man denke in diesem Zusammenhang daran, dass
noch nach dem Zweiten Weltkrieg in Polen das Gerücht aufkam, Juden
würden Menschen fangen, schächten und ihr Fleisch verzehren.
Es scheint das Los fast jeder Glaubensgemeinschaft zu sein, von Außenstehenden,
die keine Ahnung haben oder bösartige Lügen in die Welt setzen
wollen, aufs Schlimmste verunglimpft werden!"